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Blut und Eiweiß im Urin; vom banalen Befund zum nephrolog. Notfall.

12.11.2009 | Von: Dr. Tolksdorf

Qualitätszirkel Hausärzte Harburg

Protokoll der Sitzung vom 12.11.2009 (Th.Tolksdorf)

Thema: Blut und Eiweiß im Urin; vom banalen Befund zum nephrolog. Notfall.

Referent: Herr Prof. J. Gloy, FA f. Nephrologie, QZ-Diskussionsleiter: Herr Dr. Klaus Stelter

Zunächst fand kollegialer Austausch statt über Aktualitäten wie:

-- die Schweinegrippe: - der Anteil geimpfter und nicht geimpfter KollegInnen hielt sich die Waage,

- unqualifizierte email-Artikel zum angeblichen Zusammenhang Squalen/Golfkriegskrankheit

wurden kritisch zurückgewiesen.

-- das Honorar der Weiterbildungsassistenzen in fortbildenden Praxen f. FA Allgemeinmedizin:

- Monatliches Honorar wären 3500€, hälftig von KK und KV getragen, + Soz.-leistg. von Px

Im zweiten Teil stellt sich Herr Prof. Gloy vor mit o.g. Thema.

Der Primär-Stix aus Harn im Becherglas bleibt die nephrolog. Basisdiagnostik betr. Blut:

intermittierender Mikrohämaturie (Fallbeispiel) sei auch nach intensiver Sportbelastung zu fragen. Teststreifen zeigten bei 18-33jährigen zu 11%-, bei >50jährigen zu 13-18% falsch positiv an.

Differenzierung durch Sediment und Mikroskopie: Erys im Gesichtsfeld 400f. Vergrößerung: bis 10% der Pat. scheiden 3 Erys/ul Urin(=Hämaturie!) aus ohne Hintergrund einer Erkrankung.

Demnach ist notwendig: Wiederholung der Diagnostik 2-3x!

Transiente Hämaturie weise auf verschiedene Anlässe wie Traumata, Steine, Endometriose hin,

persistierende H. auf Sichelzellenanämie, glomerul. Erkrankung, im Alter auf Zystennieren, Alport-Syndrom, Tumoren.

Isoliert persistierende H. bis 35J: IgA- oder heriditäre Nephroditiden, Hypercalcämie, Hyperurikämie, Nephrocalcinose, selten extranephrale Tumore; >50J primär urolog. Tumore.

Vorgehen: siehe in www.hausarzt-harburg.de angefügtem Schema, z.B.:

Teststreifen mit Ery+ -> Sediment, bei Hämaturie + norm. Krea und 3x 1wöchig pos. Stixkontr. -> Proteinurie prüfen, falls >0,5 und glomerul. deform. Erys (Akanthozyten) besteht V.a. Isolierte H.

Bei erhöhtem Krea besteht V.a. Nephrologischen Notfall mit initialer nephrolog Abklärung.

Die Anwender praktischer Urinmikroskopie könnten ihre Helferinnen gern in der Px von Hrn. Gloy hospitieren lassen.

Vorgehen: 10+40fach mit 10fach verstärkendem Okular.

Medium: 10ml Morgenurin, 2. Portion. Eryzylinder-beurteilung in 100f. Vergrößerung,

Fehler: Oft werde zu wenig oder zu hochtourig zentrifugiert.

Akanthozyten: Pathognomonisch deformierte Erys infolge Durchtritts der glomerul. Membran.

Spezif. Diagnostik bei V.a. Nephrotisches Syndrom/Nephritis:

Trias: gesicherte Hämaturie, erhöhtes Krea >1,2 sowie Eryzylinder + Akanthozyten.

Konsequenz: Nierenbiopsie, Häufigkeit in nephrolog. Praxis: 2xmonatl., z.B. durch Vasculitiden

Betr. Eiweiß ist die nephrologische Basisdiagnostik der Praxis

der enzymat. Micraltest, er zeigt 30-300mg Album/g U. an, die der Urinstix nicht erfasst.

Nötig bei Diabetikern (länger als 5J. bestehend) 1xjährlich, Nephropathien, Hochrisikopat..

Bei >300mg/g Urin besteht Proteinurie + - +++

Auch bei der Stix-Proteinurie gibt’s transientes harmloses Auftreten z.B. bei Fieber, Orhostase.

Persistierende Proteinurie verlange Krea, Hst, GFR(nach Formel), quantitative Urineiweißdiff..

z.B. GFR vermindert + Proteinurie >3g/d zöge Nierensono, ggflls. Nierenbiopsie, erweitertes Lab und Urineiweißelektrophorese nach sich.

Die Quantifizierung der Proteinurie erfolgt heute mittels Eiweiß-Krea-Quotient im Spot-Urin,

nicht mehr per 24h-Harnausscheidung zur Diagnostik und Verlaufskontrolle.

Nierenbiopsie: bei Nephrit./Nephrot. Syndrom und bei pers. Proteinurie >1,5/d trotz ACE-Hemmer, die bis zum Krea von 5 unter Krea und K-Kontrolle einsetzbar sind.

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